Polarlichter fotografieren


Um Polarlichter, auch Nordlichter, Aurora Borealis (nördliche Halbkugel) oder Aurora Australis (südliche Halbkugel) genannt,

zu fotografieren, sollen euch folgende Tipps behilflich sein. 

 

Für uns Europäer ist die Beobachtung der Aurora Borealis in Finnland, Schweden, Norwegen, Island oder den Lofoten am nächsten. Da an diesen Orten während den Sommermonaten jedoch 24 Stunden die Sonne scheint, ist zu dieser Zeit eine Polarlichtsichtung eher unwahrscheinlich. Die besten Monate sind September bis März.

 

Leider kann ich euch betreffend der Einstellungen keinen ultimativen Tipp geben, da diese von der Intensität der Aurora und der Lichtsituation abhängig sind. Auch die Grösse und Helligkeit vom Mond spielt hier eine entscheidende Rolle.

 

Kamera 

mit welcher Langzeitbelichtungen bis zu 30 Sekunden möglich sind. Je nach Sensor (APS-C oder Vollformat) auch kürzer, da man

bei einer zu langen Belichtungszeit Sternenspuren bekommt. Das heisst, weil sich die Erde während der Belichtung dreht, werden

die Sterne als Striche auf dem Foto sichtbar sein. Weiter ist von Vorteil, wenn die Kamera bei hohen ISO-Werten möglichst rauscharm ist.

    

Richtlinie für die Langzeitbelichtung: (Beispiele mit 16-35mm Objektiv)

 

APS-C (Crop Sensor) = 300 : Brennweite Bsp.: 300:16mm = 18.75 Sekunden

Vollformat Sensor:      = 500 : Brennweite Bsp.: 500:16mm = 31.25 Sekunden

 

Lichtstarkes Weitwinkelobjektiv (mind. f2.8)

Da wir nachts fotografieren, wollen wir ja in der „kurzen“ Zeit von ca. 20 Sekunden so viel Licht auf den Sensor bringen wie möglich. (+1 Blendendstufe (f4.0) verlängert die Belichtungszeit um das Doppelte)

Da der Autofokus in der Nacht nicht scharf stellen kann, schalten wir diesen aus und stellen von Hand auf unendlich.

Vorsicht, bei den heutigen Objektiven ist der Anschlag am Ende nicht wirklich auf unendlich und somit unscharf - dieser Punkt liegt kurz vor dem Anschlag. Am Besten stellt ihr bei Tageslicht mit dem automatischen Autofokus scharf und stellt dann auf manuell um und markiert entweder mit einem Stift am Objektiv diesen Punkt oder ihr klebt das Objektiv so fest, dass dieses nicht mehr verschiebt. Bei dieser Methode müsst ihr darauf achten, dass ihr ein geeignetes Klebeband verwendet, welches keine Kleberückstände hinterlässt!

 

Stabiles Stativ

Da wir während ca. 20 Sekunden Belichtungszeit unmöglich die Kamera so lange ruhig halten können, ist ein stabiles Stativ unerlässlich. Auch Wind kann Schwingungen verursachen, welche zu unscharfen Fotos führt.

 

Fernauslöser

Da beim Auslösen der Kamera Schwingungen auf die Kamera und das Stativ entstehen, ist ein Fernauslöser (Infrarot oder Kabel) sehr hilfreich. Hat man keinen Fernauslöser, geht es auch mit der Einstellung - 2 Sekunden Selbstauslöser.

 

Spiegelvorauslösung

Ebenfalls kann das Hochklappen des Spiegels bei DSLR Kameras Schwingungen verursachen. Mit Hilfe der Spiegelvorauslösung, wird dieser vorzeitig hochgeklappt und die Schwingungen sollten bis zur Auslösung der Kamera vorbei sein. Jegliche Schwingungen während der Belichtung ergibt unscharfe Fotos!

 

Aufnahmemodus

Unbedingt M wie Manuell - da der Autofokus in der Nacht nicht funktioniert, können wir weder in der Blenden- noch in der Zeitautomatik fotografieren und müssen die Blende und Zeit manuell einstellen. Die Blende grundsätzlich bei f2.8 (kleinste mögliche) und die Zeit ist individuell. Versucht mal mit 20 Sekunden und korrigiert anschliessend je nach Ergebnis nach oben oder nach unten. 

 

ISO-Wert

Je tiefer wir den ISO-Wert einstellen können, umso rauscharmer und schärfer wird das Foto. Leider erreichen wir bei kompletter Dunkelheit (Leermond) und ISO 100 wahrscheinlich keine vernünftige Belichtungszeit, bei welcher keine Sternenspuren entstehen. Diese wird weit höher als 30 Sekunden sein. Erfahrungsgemäss liegt der ISO-Wert bei der Polarlichtfotografie zwischen 1600 und 6400 ISO und muss je nach Aktivität der Aurora geändert werden.

 

Aufnahme Format

Grundlegend könnt ihr in RAW (Rohdaten) oder JPEG aufnehmen. Der Vorteil von RAW liegt eindeutig darin, dass ihr die grösseren Möglichkeiten in der Nachbearbeitung mit Lightroom, Photoshop etc. habt.  

 

Weissabgleich

Stellt den Weissabgleich auf Sonnenlicht oder manuell auf ca. 3200 Kelvin. Wenn ihr im RAW-Format fotografiert, könnt ihr den Weissabgleich auch später am Computer korrigieren.

 

Rauschreduzierung

Bei allen DSLR Kameras kann man die Einstellung „Rauschreduzierung bei Langzeitaufnahmen“ einschalten - diese müsst ihr

bei der Polarlichtfotografie ausschalten, da sonst die Kamera die Sterne als rauschen oder Störpixel erkennt und diese raus filtert

und das wollen wir ja nicht…

 

Akku / Batterien

Da die Aurora Borealis für uns Europäer näher liegt und es in Skandinavien von September bis März empfindlich kalt sein kann,

sind mehre Akkus von Vorteil. Schaut, dass ihr immer voll geladene Akkus benutzt und die Reserve-Akkus in einer Tasche nahe

am warmen Körper tragt.

 

VORSICHT!!!

Wenn ihr nach einigen Stunden bei -20°C zurück an die Wärme geht, müsst ihr die Kamera an den Temperaturunterschied „gewöhnen“ und sie schützen!!! Durch den grossen Temperaturunterschied kondensiert die Kamera und das Objektiv sofort,

wenn ihr in die Wärme geht. Brillenträger kennen diesen Effekt nur zu gut…

Packt die Kamera samt Objektiv noch in der Kälte in einen gut verschliessbaren Beutel bevor ihr mit ihr an die Wärme geht.

Lasst sie einige Stunden darin, bis sie die Raumtemperatur erreicht hat. Ich habe mir in einem Outdoor Geschäft einen Beutel gekauft, welche man auch zum Kajak oder Kanu fahren benutzt. Diese gibt es in verschiedenen Grössen. z.B. von Sea to Summit, Exped, Ortlieb, Seal Line oder Eagle Creek.

 

Blitz

Braucht ihr für die Polarlichter nicht!!!

 

 

Und noch einige Tipps:

 

Zieht euch warm an!

Wenn ihr Polarlichter seht, werdet ihr euch nicht dazu überwinden können, zurück an die Wärme zu gehen - sie sind zu faszinierend! 

Ich hatte in Finnland immer 5-6 Schichten an, mit Heizsocken in den Schuhen, aber 4 Stunden draussen bei -25 bis -30 Grad Celsius machten dies auch nötig.

 

Geht abends nach draussen! Im Blockhaus oder Hotelzimmer seht ihr die Polarlichter nicht!

Um auch durchschnittliche, aber auch schon beeindruckende Polarlichter zu sehen,

müsst ihr ins  Dunkel - nur schon das geringste Störlicht macht die Nordlichter kaum sichtbar.

 

Fotografiert die Polarlichter nicht ohne Vorder- oder Hintergrund. Ein Foto in den Himmel wirkt uninteressant.

Schaut, dass ihr Berge, Hügel, Bäume, Wasser oder sonst was mit auf dem Bild habt, was dem Foto räumliche

Tiefe verleiht.

 

All jenen, welche zu einer Polarlichtreise aufbrechen, wünsche ich gigantische Sonnenstürme 

und gut Licht!!!

 

 

Unten seht ihr noch 2 interessante Links über die Polarlichter